Entspannung
Definition
Entspannung bezeichnet einen körperlich und geistig spürbaren und messbaren Zustand, der als
Gegenpol zur Anspannung gilt. Ein regelmäßiger und hinreichender
Wechsel von Entspannung und Anspannung erhält und fördert die
Gesundheit. Bei unserem Lebensstil jedoch überwiegt oft die Anspannung.
Das kann zu typischen Stressreaktionen führen, z.B. gesteigerter
Nervosität, Kopf- oder Rückenschmerzen. Methoden und Techniken der Entspannung - teils mit Hilfe von Instrumenten oder technischen Apparaturen - sollen
helfen, Anspannung abzubauen und Entspannung zumindest vorüber gehend zu erlangen.
Methode
Entspannung kann bewusst durch Entspannungstechniken hervorgerufen
werden. Eine Einteilung der Entspannungstechniken kann wie folgt
getroffen werden :
- nach dem Aspekt der Unterscheidung von körperlicher Aktivität oder Passivität in:
- aktive Verfahren (z.B. Progressive Muskelentspannung, Tai Chi, Yoga)
- passive Verfahren (Autogenes Training, Biofeedback und Meditation)
- nach der Methode der Entspannungsinduktion. Sie hängt davon ab, ob die Veränderung vorwiegend stattfindet über
- den körperlichen Bereich oder
- den kognitiv-mentalen Bereich
- nach dem Auslöser der Entspannung, ob sie
- vom Übenden selbst oder
- von einer anderen Person oder einem Medium/Gerät veranlasst wird.
Physiologisch werden bei der Entspannung eine Verminderung des
Einströmens von Impulsen aus dem Gehirn in die Muskelpartien
festgestellt. Die Sensibilität der Muskelspindeln, die für Spannung
bzw. Entspannung der Muskeln zuständig sind, wird verändert. Mit der
Entspannung geht eine Gefäßerweiterung und damit eine erhöhte
Durchblutung einher. Der Atemrhythmus verlangsamt sich. Der
Sauerstoffbedarf wird geringer und der Hautwiderstand steigt. Der
Übende fühlt sich während und nach der Übung locker, ruhig und
gelassen. Insofern hat das regelmäßige Üben eine Stress vorbeugende und
Stress abbauende Wirkung.
Beurteilung
Der mitverursachende Anteil der Stresskomponenten an unterschiedlichen
Erkrankungen gibt den Ausschlag dafür, wie hoch die Heilungs- bzw.
Besserungschancen durch Entspannungsübungen sind. Der Einfluss kann
alle Organbereiche betreffen, die vom autonomen, vegetativen
Nervensystem gesteuert werden, die also üblicherweise nicht einer
Willensentscheidung unterliegen.
Schmerzen lassen sich zum Beispiel wesentlich herab setzen. Länger und
regelmäßig Übende bestätigen, dass sie keine schmerzstillenden
Medikamente mehr benötigen.
Da Stresshormone das Immunsystem negativ beeinflussen (Disstress macht
den Körper anfälliger für Viren und Bakterien), kann durch Entspannung
nachweislich der Anteil der ”Killerzellen” erhöht werden.
Neben der Beeinflussung der Biochemie und der vegetativen Reaktionen
kann auch im Bereich der Persönlichkeit im Laufe längeren Übens eine
Veränderung stattfinden. Emotionen werden spürbar, Gereiztheit und
Nervosität treten zurück und wachsendes Selbst-Bewusstsein lässt
kreative und machbare Perspektiven im Leben erkennen und in den Grenzen
individueller Möglichkeiten sich entfalten.
Kontraindiziert sind Entspannungsübungen bei neurotischen oder psychotischen Störungen.
Literatur
- Dieter Vaitl und Franz Petermann, Handbuch der Entspanungsverfahren (Band 1), Psychologie Verlags Union (1993)
- Robert Sonntag, Blitzschnell entspannt, Trias Verlag (1998)
- Carolin Lockstein, Susanne Faust, Relax!, Gräfe und Unzer Verlag (2001)
- Marc Stollreiter, Johannes Völgyfy und Thomas Jencius, Stress-Management, Beltz Verlag (2000)
- Tania Konnerth, Montag ist erst übermorgen, Herder Verlag (2001)